27/05/2026
Abschied mit Herz und Humor
Erster von drei Festakten zur Verabschiedung von Pfarrer Herbert Faller – ein bewegender Pfingstgottesdienst in Renchen-Ulm.
Von Peter Bergmann
Renchen-Ulm (pb). Es hätte ein gewöhnlicher Pfingst-Vorabendgottesdienst sein können. Doch als sich am Samstag, 23. Mai 2026, die Kirchentüren der Ulmer Mauritiuskirche öffneten, war von Gewöhnlichkeit keine Spur. Die Gemeinde war gekommen, um Pfingsten zu feiern – und um Abschied zu nehmen. Nach fast neun Jahren als Leiter der Seelsorgeeinheit Renchen-Ulm-Erlach tritt Pfarrer Herbert Faller in den wohlverdienten Ruhestand. Dieser Gottesdienst war der erste von drei geplanten Festakten zu seiner Verabschiedung – und er trug von Anfang bis Ende das Zeichen einer ganz besonderen Zuneigung.
Die Stimmung in der festlich geschmückten Kirche war von jener herzlichen Wärme geprägt, die entsteht, wenn eine Gemeinde einen Menschen verabschiedet, den sie wirklich ins Herz geschlossen hat. Pfarrer Faller seinerseits hielt eine Abschlusspredigt, die unter dem Motto „Pfingsten reloaded“ stand – mit Impulsen, die er augenzwinkernd einem Text der KFG Frauengemeinschaft entlehnte. Es war eine Predigt, wie man sie von ihm kannte: klug, nachdenklich, mit jenem feinen Humor gewürzt, der die Menschen zum Schmunzeln brachte, ohne den Ernst des Glaubens zu verkleinern. Und an diesem Abend berührte sie tiefer als sonst.
Den Festgottesdienst gestaltete Pfarrer Ralf Dickerhof aus Oberkirch mit – ein Mitstreiter aus der Kirchengemeinde Acher-Renchtal, der im Namen des gesamten Seelsorgeteams Dank aussprach. Besonders gewürdigt wurde Fallers Engagement im Prozess 2030, jenem weitreichenden Umstrukturierungsprozess, mit dem sich die Diözese auf neue kirchliche Strukturen vorbereitet. Seit dem 1. Januar gehört auch Renchen zum neu zusammengewachsenen kirchlichen Verbund in Achern. Dass Faller sich auf diese neuen Wege eingelassen habe, sei keine Selbstverständlichkeit gewesen, hieß es in den Dankesworten.
Ortsvorsteher Klemens Kammerer ergriff das Wort für die politische Gemeinde Ulm. Er erinnerte an einen Pfarrer, der nicht nur die Kirche, sondern das Dorfleben bereichert habe. Sichtbar beim neu gestalteten Ulmer Fest und beim Patrozinium des heiligen Mauritius, wo die Prozession erstmals direkt zum Festplatz führte und Glaube und Gemeinschaft auf ungewöhnliche Weise zusammenfanden. Unvergessen blieben dabei Fallers Predigten – und natürlich seine Leidenschaft für den FC Bayern München, auf die Kammerer mit einem Augenzwinkern verwies: Die Uhrzeit des heutigen Gottesdienstes, so munkle man, sei nicht ganz zufällig so gewählt worden, dass dem Anpfiff um 20 Uhr nichts im Wege stehe.
Karin Hättig, Vorsitzende des Kirchenchors St. Mauritius Ulm, dankte für die langjährige gute Zusammenarbeit und überreichte ein Präsent. Gedankt wurde auch Diakon Klaus-Peter Roth für seinen stets präzisen Dienst in der Gottesdienstliturgie. Pfarrer Braun i.R. war ebenfalls unter den Gästen.
Den Höhepunkt des Abends – und den ergreifendsten Moment – schufen Kirchenorganist Christian Huber und Mesner Heiner Meier, der dieses Mal mit dem Saxofon am Altar stand. Als sich der warme, tragende Klang des Saxofons mit dem vollen Sound der Orgel zu »Time to Say Goodbye« verschmolz, wurde es still in der Kirche. Jene Stille, die mehr sagt als Worte.
Als Abschluss übergab die Gemeinde einen Geschenkkorb mit regionalen Köstlichkeiten – ein Stück Ulm zum Mitnehmen. Denn was diesen Ort ausmacht, hatte Kammerer treffend formuliert: Erdbeeren, Bier, Sauerbraten und die Nudeln aus dem Schatten des Kirchturms. Die Hoffnung sei groß, so Kammerer, dass Pfarrer Faller dem Ort und seinen Menschen verbunden bleibe. Offiziell im Ruhestand, inoffiziell, wie es hieß: „in Reichweite“.
Text und Bild Peter Bergmann