06/05/2026
Wie lässt sich Beziehung gestalten, wenn frühe Verletzungen und Bindungstraumata den Alltag prägen? Dieser Frage ging die Veranstaltung „Vom Halten und Aushalten“ im vollbesetzten großen Saal der Akademie CPH nach. Sie fand - passend am Geburtstag von Sigmund Freud - im Rahmen der Reihe „Psychoanalyse im Austausch“ statt, der langjährigen Kooperation der Akademie CPH und des PIN, dem Nürnberger Institut für psychodynamische Psychoanalyse.
Im Zentrum des Vortrags der Analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Martina Scharrer (Zirndorf) stand die Herausforderung, Jugendlichen mit belastenden Beziehungserfahrungen nicht nur zu begegnen, sondern ihnen verlässlich standzuhalten, fachlich reflektiert und menschlich präsent. 
Martina Scharrer führte in die Dynamiken früh belasteter Bindungssysteme ein und machte deutlich, wie sehr Beziehung hier zur eigentlichen „Arbeitsfläche“ wird: zwischen Halt geben und Aushalten von Ambivalenz ebenso wie zwischen professioneller Distanz und echter Resonanz. Besonders eindrücklich war die Verbindung psychoanalytischer Perspektiven mit konkreten Erfahrungen aus der Praxis… ein Zugang, der das anwesende Fachpublikum ebenso ansprach wie die zahlreich interessierten Laien und eine anregende Diskussion hervorrief.
Es bleibt die Einsicht, dass Beziehungsgestaltung in diesem Feld weder schnelle Lösungen noch einfache Rezepte kennt. Vielmehr verlangt sie eine reflektierte Haltung, die Unsicherheit nicht vorschnell auflöst, sondern produktiv nutzt.
Ein Abend, der nachwirkt, weil er nicht nur Wissen vermittelte, sondern Haltung schärfte. Und der daran erinnerte, dass tragfähige Beziehungen dort entstehen, wo Menschen bereit sind, auch das Schwierige gemeinsam auszuhalten.
„Psychoanalyse ist kein Werkzeugkasten, sondern ein Zugang zur inneren Welt des Kindes: Wer bereit ist, Gefühle auszuhalten, Projektionen zu erkennen und Beziehungen als Kommunikationsfeld zu verstehen, schafft echten Kontakt - weit über Regeln, Strukturen oder Symptomtoleranz hinaus“, so Dr. Martina Scharrer in ihrem Resümee.