01/06/2026
Das dritte TONKUNST KONSTANZ-Festival ist wieder Geschichte. Trotzdem, dass wir an diesen zwei Tagen in Konkurrenz zum Frühling standen, blicken wir sehr glücklich und zufrieden darauf zurück. Auch in diesem Jahr durften wir am Samstag eine bunte Programmmischung erleben. Die Kulturbühne Geistreich lud zum Auftakt zunächst eine Duo-Formation des Freiburger Ensemble Recherche ein. Shizuyo Oka und Åsa Åkerberg schafften es die nahezu 90 Minuten mit ihren beiden Instrumenten Klarinette und Cello gänzlich zu füllen. Extreme und zarte Klänge, technische und kammermusikalische Brillanz und eine Uraufführung des gemütlichen Roadrunners von Hans Thomalla eröffneten den ersten Festivaltag.
***
Nach der folgenden Pause füllte sich der Raum mit weiteren Leuten, die zuvor dem endlich eingekehrten Frühling gehuldigt hatten. Patrick Manzecchi (Schlagzeug) und Jonathan Chazan (Saxofon) präsentierten ihren Set mit Improvisationen auf unterhaltsame Art. Mal elegisch, mal energisch, immer wieder neckisch und humorvoll provozierten sie sich gegenseitig, nutzen fast den ganzen physikalischen Raum, füllten den musikalischen, ließen aber auch immer wieder klingende nachhallende Lücken. Nach fast 60 Minuten voller Töne, Glocken, Wasser, Papier und vielem anderen wurde die Bühne schnell bereitet für das Trio Le Circle Rouge.
***
Auch hier spielten sich Christian Weber, Harald Kimmig und Sascha Henkel – eingeladen vom Jazzclub - in ihrer langen Impro die Bälle zu. Allerdings auf ganz andere Art als Chazan/Manzecchi: reaktionsschnell wie der SC Freiburg in den 90ern, reduzierend wie Josef Beuys, elektrisch wie Björk, radikal wie Mike Patton und quirlig wie Otto Walkes. Zum Abschluss erklang noch als Rausschmeißer ein „Schlaflied“ – und schon war der erste Festivaltag vorüber.
***
Bereits traditionell gestaltete der Verein HighNoon - Freunde Neuer Musik e.V. den Festival-Sonntag. Um 11.00 Uhr luden Jonathan Chazan und Peer Kaliss zu einem Workshop ein, der von Klein- und Schulkindern gleichermaßen besucht wurde wie von Erwachsenen und einigen Künstler*innen des Festivals. Nach einem gemeinsamen Warm-Up mit Übungen für Reaktion und Körperbeherrschung errieten die Teilnehmenden Klänge und erfuhren Wissenswertes über originelle Blasinstrumente und Kunstwerke. Die gemischte Gruppe interpretierte am Ende des Workshops mit kreativem „Instrumentarium“ wie z.B. Pfannen, Spachtel, WC-Bürsten, Glasflaschen, Röhren eine Seite aus Cornelius Cardews „Scratch Music“. Der Anlass mit viel Gemeinschaftssinn darf gerne fortgeführt werden.
***
Direkt nach dem 12-Uhr-Läuten des Münsters begannen Viviane Hasler (Sopran), Antonio Marin (Posaune), Ina Callejas (Akkordeon) und Jonathan Chazan mit Ralf Kleinehandings neuester Aperitif-Version den musikalischen Mittag. In einem sehr abwechslungsreichen Konzert in unterschiedlichen Formationen erklangen nicht nur wunderschön gesungene Satie-Lieder im neu bearbeiteten Gewand (Mike Svoboda), es wurde auch die Frage gestellt „is it music?“, es durfte harmonisch bei Tobias Krebs geschwelgt werden, das Publikum wurde von Chazan und Callejas auf einen höllischen Ritt geschickt u.a. Zum krönenden Abschluss durfte man einer beeindruckenden Uraufführung von Tze Yeung Ho aus Norwegen lauschen. Ein erfüllender und berechtigter „Bravo“- Applaus beendete viel zu schnell das dritte TONKUNST KONSTANZ - Festival für neue Musik.
***
Gerne und hoffentlich wieder, man kann sich langsam daran gewöhnen!
Copyright Fotos: Ina Callejas, Jürgen Callejas, Stefan Postius, Peer Kaliss