06/04/2022
Pressemitteilung nostromo livesoundz e.V.
Was geschah?
Nach einem Jahr der Liquidationsfrist ist es so weit: Der nostromo livesoundz e.V. ist aufgelöst.
Der Kulturverein gründete sich 2016 nachdem die Stadt die Honorarstelle von Peter Brack nach eigenen Angaben aus Kostengründen aufkündigte und die Finanzierung des Projektes „Nostromo Livesoundz“ einstellte. Die Gründung des Vereins wurde von Ökoworld mit einer einmaligen Spende von 5000€ unterstützt, sowie durch einen Zusammenschluss langjähriger Kabarettpartner:innen, die mehrmals die Spendenveranstaltung „Es lebe der Möhreneintopf!“ zugunsten des Vereins durchführten. Trotz deutlich verringerter finanzieller Mittel konnte der Verein so seine Kulturarbeit ehrenamtlich weiterführen. Einen schweren Schicksalsschlag stellte der unerwartete Tod des Vorsitzenden Peter Bracks dar, der im Oktober 2017 verstarb. Er hatte bereits vor Erbauung des Area 51 die Kulturszene in Hilden geprägt und war über seine damalige Arbeit im sokult e.V. überhaupt erst von der Stadt an Bord ins Area 51 geholt worden. Neben einem Freund verloren die Vereinsmitglieder auch den Kopf und das Herz von nostromo und benötigten einige Zeit, um sich wieder auf die Beine zu stellen. So stellten zunächst Enrico Gartenbach und Kim Jäger, und danach Kim Jäger und Matthias Blume den Vereinsvorsitz, wobei immer auf eine demokratische Beteiligung aller aktiven Mitglieder gebaut wurde.
Zuletzt nahmen die Besucherzahlen bei den Konzerten und Kabarettveranstaltungen stetig ab. Zwar kam Familie Brack dankenswerterweise Peters Wunsch nach, einen Teil seines Erbes an nostromo zu vermachen, doch es konnte kein fester Partner zur Finanzierung des Vereins gewonnen werden. Mit der anhaltenden Coronakrise ab 2020 konnten dann auch keine weiteren Veranstaltungen mehr organisiert werden. Nach nun teils 15 Jahren Mitarbeit bei nostromo, beschloss die Mitgliederversammlung die Auflösung des Kulturvereins. Die Liquidationsfrist von einem Jahr ist nun abgelaufen.
Was passiert nun?
Mit Auflösung des Vereins verliert Hilden eine weitere Anlaufstelle für junge Menschen in Hilden. Besonders tragisch ist dies in Hinblick darauf, dass die Stadt die Schließung des Area 51 als Jugendzentrum erwägt – wo 2016 noch betont wurde, dass der Finanzierungsstopp von nostromo nicht die Schließung des Area 51 bedeuten würde. Die Mitglieder von nostromo hatten sich dazu bereits in der RP geäußert und schlugen vor, das Area 51 stattdessen als Nachbarschaftszentrum weiterzubetreiben. Ein Vorschlag, den u.a. Chariklia Brüning (Die Linke) als Mitglied des Hildener Integrationsrats unterstützt.
Die Wege der aktiven Mitglieder gehen in verschiedene Richtungen. Manche sind in die umliegenden Großstädte verzogen. Wenig erstaunlich ist vielleicht, dass einige von ihnen soziale Berufe ergriffen haben. Kim Jäger-Ruhland: „Seit 2008 war ich für nostromo tätig. Neben der Kulturarbeit waren wir immer auch politisch und kritisch. So standen wir auch schon mit Farbeimern vor P&C und haben N***schmierereien überstrichen. Sagen wir, all die Jahre politisches Kabarett haben mich geprägt. Heute bin ich Sozialarbeiterin und lokalpolitisch aktiv.“ Auch Matthias Blume bleibt der Stadt erhalten: Als selbstständiger Tontechniker arbeitet er u.a. bei städtischen Veranstaltungen im Area 51 und anderswo im Stadtgebiet. Die Schwerpunkte im Leben haben sich seit den Teenagerjahren der Mitglieder jedoch verschoben.
Was passiert mit den restlichen Geldern?
„Die wandern natürlich nicht in unsere eigenen Taschen!“, lacht Kim Jäger-Ruhland. „Als gemeinnütziger Verein mussten wir in unserer Satzung festlegen, an wen unser Geld bei Auflösung geht.“ Das sind im Falle vom nostromo livesoundz e.V. zu gleichen Teilen der Gutenachtbus von vision:teilen und die STAY! Flüchtlingshilfe. Beide erhalten einen Betrag von etwa 1750€. Die beiden Vereine sind informiert und freuen sich sehr über die unerwartete Spende. So gehe das Geld aus Einnahmen, Spenden, Mitgliedsbeiträgen, sowie dem Erbe von Peter Brack, noch an einen guten Zweck und könne anderswo helfen. Insbesondere von der Spende an Stay! erhofft sich nostromo, dass damit auch Geflüchtete aus der Ukraine unterstützt werden können. Ob es noch ein Abschiedskonzert geben wird? „Die Konten sind leer und offiziell gibt es uns jetzt nicht mehr. Aber vielleicht veranstaltet ja jemand für uns nach Corona ein Abschiedskonzert. Wir stellen uns dafür natürlich jederzeit gerne wieder hinter die Theke und packen mit an!"
- So long and thanks for all the fish!
Kim, Matthias, Marie, Karo, Bene und Bommel
Gutenachtbus - Düsseldorf STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative