25/05/2026
Nebelstempel zum Buchsignieren, hä?, wer hat denn sowas? Na ja, das hat halt die, die auch die Schweinestempel hat, ist doch klar wie Nebel.
Am vergangenen Mittwoch besuchte uns Judith Schalansky.
Judith Schalansky ist eine pfingstwunderhafte Singularität.
Das Pfingstwunder, wir erinnern uns kurz, bestand sozusagen darin, dass alle, wegen akuter Begeisterung durch den Heiligen Geist, obwohl sie im Grunde keine Chance hatten, irgendwas zu verstehen, alle und alles voll gut verstanden. Das Pfingstwunder ist, insofern es als Sprach- und Themenwunder gelten kann, ein dezidiert literarisches; ein Anti-Babel sozusagen, wo das Chaotisch-Viele irgendwie eint und eine Ahnung höherer Ordnung vermittelt.
Nein, sorry, drunter machen wirs nicht, drunter machte es ja auch Salon-Moderatorin Mariel Reichard nicht, die gleich zu Beginn des Abends zugab, nach der Lektüre von Schalanskys "Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist" (Suhrkamp Verlag) gleichermaßen perplex und begeistert gewesen zu sein; dergestalt, dass sie Schwierigkeiten habe, überhaupt Fragen zu formulieren. Was normalerweise schlechte Voraussetzungen sein könnten für ein moderiertes Gespräch, aber das sagt nur, wer Judith Schalansky nicht kennt.
Hyperintellektuelles wechselte ins Kalauernde; vom Harzer Brocken bis zum mexikanischen Wrestling und zurück ist es auch nur ein Katzensprung. Begeisterung aber auch auf Schalanskys Seite, als sie erfuhr, zum Beispiel, dass Marmor eben nicht nur das ist, woraus die Welt gemacht ist, sondern auch, specifically, das ehemalige Conti-Vorstandsklo in unserem Foyer, das wir heute alle benutzen. Ebenso wie die schöne Wendeltreppe im Foyer, die zur Klo-Etage führt und ebenfalls heftige Schalansky'sche Be-geist-erung zu entfachen verstand. Was auch für unsere Old-School-Kabelmikros galt (siehe Foto "Schalansky, stehend").
Ob dieser Geist nun im Pfingstvorfeld (bzw zwei Tage nach unserem Papst-Abend) schon ein Heiliger war, lassen wir mal dahingestellt. Ganz sicher war es aber der Geist, der stets bejaht.
Großer Dank an die Stiftung Niedersachsen!
Fotos: Magdalena Vidovic