06/06/2023
Gute Fragestellung . . .
Die aus Skulptur, Grafik, Textil und Installation bestehende Ausstellung Keep Away from Fire ist eine poetische und zugleich kritische Reflexion über die Rolle der (künstlerischen) Arbeit in der heutigen Gesellschaft. Damit schließt die Künstlerin Mariona Berenguer ein mehrjähriges Projekt ab, das den Akt des kreativen Schaffens selbst in Frage stellt.
Produktivität ist heute in das Zentrum des menschlichen Bewusstseins gerückt und bildet den Ausgangspunkt für drei Werkreihen mit den Titeln Insomnia, Latin Locution und Overall, die Arbeit unter den Aspekten der Identität, des Glaubens und der Sinnhaftigkeit befragen.
Die Zeichnungen aus der Reihe Insomnia bilden Schatten von Sonnenblumen im Prozess des Verfalls ab. In ihrer Präzision wirken sie wie Digitaldrucke, sind aber das Ergebnis akribischer manueller Pinselarbeit. Insomnia stellt unser Verständnis von Energie in Frage und hinterfragt die Auswirkungen von Technologie auf natürliche Zyklen energetischer Aufladung und Erschöpfung.
Glaubenssysteme bilden den Ausgangspunkt für die Installation Latin Locution. Hier hat Mariona Berenguer Elemente von Beichtstühlen, wie Kniebänke und Gitterfenster, in eine Struktur aus Baustützen eingebettet, die gerade durch die Abwesenheit eines Beichtempfängers auf den entschlossenen Glauben, die Ausdauer und Hingabe kreativer Arbeit hinweisen - getreu dem Grundsatz “ora et labora”.
Der Arbeit selbst ist die Serie Overall gewidmet. Dazu verarbeitet Mariona Berenguer eine Reihe
gebrauchter Arbeitsoveralls, um sie in einzelne Stoffstreifen zu zerlegen und dann wieder zu textilen Wandarbeiten zu verweben. Als Referenz auf den Körper der Arbeiter*innen beherbergen die Overalls die Erinnerung und Energie, die sie in ihre Arbeit investieren, und machen die Spuren ihrer Anstrengungen sichtbar.