18/10/2026
Das Interview mit Andreas Bickert zum Thema Mädchenfußball
Die Fußballkreise Lemgo und Detmold wollen die Talentförderung im Mädchenfußball forcieren. Als ersten Schritt wurden die beiden Kreisauswahlmannschaften u13 und u15 zusammengelegt. Wie kommt der Zusammenschluß an der Basis an und wie wird die Zukunft im lippischen Mädchenfußball gesehen. Über die Themen haben wir mit Andreas Bickert vom CSL Detmold gesprochen. Er hat in den letzten Jahren beim CSL den Mädchenfußball aufgebaut.
Wie beurteilst Du aktuell den Stellenwert des Mädchenfußballs im Kreis Lippe?
Im Vergleich mit anderen Kreisen wie Paderborn oder Münster, ist der Mädchenfußball in Lippe nicht gut aufgestellt. Paderborn stellt von den E- bis B-Juniorinnen 39 Mannschaften und der Kreis Münster sogar 136. Detmold und Lemgo zusammen gerade einmal 16 Mannschaften. Viele Vereine haben den Mädchenfußball noch nicht für sich entdeckt.
Der CSL Detmold geht inzwischen mit vier Mädchenmannschaften in den Spielbetrieb. Das ist im Vergleich zu vielen anderen Vereinen eine bemerkenswerte Entwicklung. Wie ist es dem Verein gelungen, diese Strukturen aufzubauen?
Es hat einen Motor gebraucht dieses Projekt anzuschieben. Ich habe damals mit meinen Töchtern angefangen und anderthalb Jahre nur trainiert und erst im zweiten Jahr den Spielbetrieb aufgenommen. Natürlich musst Du Zeit investieren und die Mädchen den Spaß am Fußball näherbringen. Wir sind dankbar, dass wir bereits im sechsten Jahr Mädchenmannschaften in unserem Verein haben. Das spricht sich rum und die Mädchen kommen zu uns.
Was müsste sich in den Fußballkreisen Lemgo und Detmold verändern, damit Mädchenfußball für Vereine und Spielerinnen attraktiver wird?
Die Verantwortlichen im Kreis müssen mehr auf die Vereine zugehen und mehr Präsens zeigen, die Vereine mit Mädchenfußball stärken. Wir haben hier Trainingseinheiten, da sind rund 60 Mädchen aktiv am Fußballspielen oder Ligaspiele/Turniere gegen Nachbarvereine aus dem FuL Kreis Detmold. Dass mal jemand vom Kreis sich das anschaut, darauf warten leider noch.
Die Mädchenkreisauswahlen Lemgo und Detmold werden künftig zusammengeführt. Wie bewerten Sie diesen Schritt? Welche Chancen bietet eine gemeinsame Kreisauswahl?
Ein erster Schritt nach vorne. Jetzt werden die Talente besser und individueller gefördert, weil die Qualität auch wachsen wird. Dem Mangel an Talenten wird entgegengewirkt. Darf aber nicht die einzige Maßnahme bleiben.
Immer wieder wechseln talentierte Mädchen zu Vereinen außerhalb des Kreises. Warum passiert das aus Ihrer Sicht? Was bieten diese Vereine, was in Lippe möglicherweise fehlt?
In Lippe fehlt es im Gegensatz zum Kreis Paderborn an der Breite und Leistungsmannschaften. Vereine wie FSV Gütersloh und DSC Arminia Bielefeld bieten bessere Trainingsmöglichkeiten für die Spielerinnen an. Für die talentiertesten Mädchen ist der Schritt dorthin schwer, oft zu schwer, aber legitim, weil meilenweit alternativlos. Die heimischen Talente werden früh durch die Vereine angesprochen.
Wie beurteilst Du die Möglichkeit, dass Mädchen bis zu einem bestimmten Alter in Jungenmannschaften spielen? Welche Vorteile bringt das für ihre Entwicklung?
Wenn die Spielerinnen sich das trauen, kann es für ihre individuelle Entwicklung förderlich sein. Sie profitieren von den Jungs, weil in den Jungenmannschaften eine höhere Dynamik, Physis und Schnelligkeit erforderlich ist. Aber um den Mädchenfußball in der Breite besser zu fördern bin ich für reine Mädchenmannschaften – Mädchen wollen mit Mädchen und gegen Mädchen spielen.
Ein immer wieder diskutiertes Thema sind Mädchenteams, die ohne Wertung am Spielbetrieb teilnehmen, weil sie beispielsweise ältere Spielerinnen einsetzen. Nimmt man Mädchen durch Spiele ohne Wertung nicht einen wichtigen Teil des sportlichen Wettbewerbs und damit auch Motivation? Oder ist die Regelung notwendig, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten?
Es kommt immer auf den Einzelfall an. Bei Neugründung von Mannschaften oder wenn reine Anfängerinnen dabei sind, die keine andere Spielmöglichkeit haben, sollten sie im jüngeren Jahrgang eingesetzt werden können. Eine solche Ausnahme-Regelung darf natürlich nicht ausgenutzt werden, um sich durch ihren Einsatz einen Vorteil zu verschaffen.
Wenn wir in fünf Jahren wieder miteinander sprechen: Was muss sich bis dahin im Mädchenfußball in Lippe verändert haben, damit Du sagen kannst: Jetzt haben wir wirklich etwas bewegt?
Wenn möglichst jede Gemeinde in Lippe eine Mädchenmannschaft stellen würde. Dabei sollten sie breit in Lippe gefächert sein, dass auch z.B. in Blomberg, Kalletal und Lemgo Mädchenfußball gespielt wird. Schön wäre eine eigene lippische Mädchenliga oder ein gemeinsamer Kreispokalwettbewerb.