Schulden. Eine Befreiung

Schulden. Eine Befreiung Tempel zur Huldigung der Kunst, dem kritischen Denken, dem Rausch. Ausgehend von David Graebers Buch Schulden. Datterich Festival, Staatstheater Darmstadt.

SCHULDEN. EINE BEFREIUNG! Dionysien

Im Herzen von Darmstadt – was öffentliche Verschuldung betrifft das Griechenland unter Deutschlands Kommunen – errichtet Regisseur Michael v. zur Mühlen (hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?) einen Tempel, eine archaisch-utopische Kultstätte um neun Tage lang ausgehend von David Graebers Buch „Schulden" der Kunst, dem kritischen Denken und dem Rausch

zu huldigen. Würde und Schönheit statt Demut und Blödheit – eine rituelle Reinigung, in der es um viel mehr geht als überzogene Dispokredite: Um den Kapitalismus als Ganzes und damit die Frage, was eigentlich mit uns falsch läuft, dass wir uns ihm so schuldbewusst und verkniffen unterwerfen. Die Zeit ist reif, wir müssen uns einfach wieder viel mehr leisten. Denn wenn wir nicht aufhören, uns vor unseren Gläubigern zu rechtfertigen, haben wir überhaupt verloren. Eine Koproduktion des Staatstheater Darmstadt und der Datterologischen Gesellschaft im Rahmen des Datterich Festival 2015.

13/06/2015

STELLUNGNAHME ZUR AKTION WÄHREND DER GALAVORSTELLUNG DES DATTERICH AM 10. JUNI

Als Mitinitiatorin der Kunstaktion, die die Gala­Datterich Aufführung am 10.6 unterbrach, ist es mir zunächst wichtig zu klären wie diese entstanden ist und welche inhaltlichen Anliegen sie motiviert haben. Dabei handelte es sich nicht um eine geplante Aktion des Theaterensembles oder der Regie der Produktion "Schulden.Eine Befreiung", sondern um eine, die spontan nach dem Applaus und mit den Zuschauer_innen der Mittwochsvorstellung entstanden ist. Dieses Projekt hat als experimentelles Gesamtkunstwerk über 9 Tage hinweg ein dionysisches Forum in der Stadt geschaffen, das jeden Tag mit neuen performativen Aktionen die in Europa brennende Schuldenproblematik thematisiert und mit verschiedenen interaktiven Formaten das Publikum teilweise als Akteure darin mit eingebunden hat. Aus dieser Situation heraus kam nach dem Schlussapplaus an jenem Abend folgende Debatte auf: Es erschien absurd, dass auf der Hauptbühne des Darmstädter Staatstheaters zur gleichen Zeit das die Schuldenlogik der Gläubiger parodierende Theaterstück über den Schuldner Datterich von statten ging. Und zwar mit Darsteller_innen, die mit ihrer Medienberichterstattung und Politik explizit gegen die heutigen Schuldner ­ etwa die Griechen handeln. Vor dem Hintergrund der Griechenlandberichterstattung von Focus und BILD, stehen die Herren Markwort und Döpfner gerade für diejenigen, die allein im Interesse der Gläubiger(­banken) schreiben. Außer dem Publikum haben die Aktion ich selbst sowie die Schauspielerin Susanne Bredehöft und der bekannte Perfomer Julian Blaue, aus Norwegen durchgeführt.

Da aufgrund der Spontanität der Aktion die Kritik nicht ausreichend akustisch vermittelt werden konnte, wollen wir die inhaltliche Motivation der Aktion explizit machen: Wir haben dem Schuldner huldigt mit dem Mantra : "Oh Schuldner geheiligt sei, dass du die Schuldenlogik nicht verstehen willst..die Mathematik deines Unverständnisses sei die Philosophie unseres Dionysiums..." Diese performativ­poetische Huldigung basiert auf die in David Graebers Werk "Schulden­ die letzten 5000 Jahre" formulierte These, dass das Verhältnis von Herr und Knecht sich heute als das der Herrschaft von Gläubigern über Schuldner manifestiert ­ siehe auch die Schuldensituation des Globalen Südens. Demnach beabsichtigten wir mit unseren Rufen "Die Gläubiger dürfen nicht die Schuldner spielen" zu kritisieren, dass im Promi­Datterich diejenigen, die für die Gläubiger einstehen mit dem Schicksal der Schuldner auf der Bühne kokettieren und ihre Armut romantisieren, während sie aus ihren Büros die heutigen Datterichs als "faul" und "raffgierig" diffamieren. Es geht nicht darum, dass Reiche nicht die Armen im Theater spielen dürfen, sondern um die konkrete politische Verantwortlichkeit der Darsteller des Gala­Datterich in der europäischen Schuldenkrise. Dass in den ursprünglichen Text von Niebergall immer wieder "Griechen­Witze" eingemischt wurden, bestätigt nur, dass wir ­ die wir eine Woche lang mit griechischen antiken Gewändern uns explizit in die Rolle der Schuldner versetzten ­ recht getan haben die Würde der Schuldner/Griechen durch die Intervention während der Aufführung zu verteidigen.

Verteidigen wollten wir aber auch Niebergalls Theatertext "Datterich": wir kritisieren, dass jener radikale Text als naturalistischer und rückwärtsgewandter Kostümschinken inszeniert und damit seiner ursprünglichen Intention sowie jeder potentiell kritischen Ästhetik beraubt wurde. Natürlich geht es hierbei auch um den Konflikt zwischen verschiedenen Theaterlogiken: In der Tradition des interventionistischen Aktionstheaters ging es uns darum reale Debatten um die heutige Dimension des Themas Schulden und der Geschichte des Datterich in Darmstadt anzustossen nicht zuletzt sind wir deswegen auch zur Gala nach der Vorstellung geblieben um mit dem Publikum der Datterich­ Aufführung produktive Gespräche über den vielschichtigen Themenkomplex Schuldner, Datterich, Griechenlandberichterstattung und Theater zu führen.

Im Namen des „Schulden“­ Ensembles, Margarita Tsomou, Mitwirkende in der Kunstaktionwährend der Datterich­Gala

Am 10. Juni, Tag VII der Dionysien, haben einige DionysierInnen - Akteurinnen der Produktion und Zuschauerinnen- die Rev...
13/06/2015

Am 10. Juni, Tag VII der Dionysien, haben einige DionysierInnen - Akteurinnen der Produktion und Zuschauerinnen- die Revolution in einer spontanen Aktion aus dem Tempel in die Galavorstellung des Datterich im Großen Haus des Staatstheaters getragen.

Mitglieder und Zuschauer des Schulden-Projekts zelebrieren ihre Schuldner-Huldigung während der Datterich-Gala im Großen Haus vom Theater. Theater im Theater...

TAG IXNach fast 19 Stunden dionysischen Spiels in neun  Tagen wurde die universelle Ökonomie der vielen Sonnen ausgerufe...
13/06/2015

TAG IX
Nach fast 19 Stunden dionysischen Spiels in neun Tagen wurde die universelle Ökonomie der vielen Sonnen ausgerufen. Der Weg war lang, die Gehirne und Körper befreit.
Wer möchte, kann morgen, am 14. Juni um 12:30 der Nachbesprechung beiwohnen.

TAG VIIIRausch, Verausgabung, Schuldnerfleisch. Die erfolgreiche Revolution wurde gefeiert!Heute Abend ist die letzte Ch...
12/06/2015

TAG VIII
Rausch, Verausgabung, Schuldnerfleisch. Die erfolgreiche Revolution wurde gefeiert!
Heute Abend ist die letzte Chance an den Dionysien teilzunehmen. Also kommt noch einmal zusammen, pilgert in den Tempel!
XII. 1971 - Der Anfang von etwas, das noch nicht bestimmt werden kann - 19:30 Uhr

TAG VIIIn einem revolutionären Akt wurde der Schuldner mit der Erde, die der Goldwert seines Schmerzes ist, bedeckt. Der...
11/06/2015

TAG VII
In einem revolutionären Akt wurde der Schuldner mit der Erde, die der Goldwert seines Schmerzes ist, bedeckt. Der Schuldner als Schuldner ist tot und überwunden. Heute kann gefeiert werden!
Deshalb pilgert zum Tempel!
X. Das Mittelalter - 19:30 Uhr
XI. Das Zeitalter der kapitalistischen Imperien - 22:00 Uhr

TAG VIEs wurde weiter in die Zornbank eingezahlt, um heute mit der Wut die Revolution durchzuführen.Kommt also heute in ...
10/06/2015

TAG VI
Es wurde weiter in die Zornbank eingezahlt, um heute mit der Wut die Revolution durchzuführen.
Kommt also heute in den Tempel, um an der Revolution, der Überwindung des Schuldners teilzuhaben!
IX. Die Achsenzeit - 19:30 Uhr

Ein paar Ausschnitte von der Eröffnung.Morgen um 19.30 begehen wir den siebten Tag mit der Revolution - die Überwindung ...
09/06/2015

Ein paar Ausschnitte von der Eröffnung.
Morgen um 19.30 begehen wir den siebten Tag mit der Revolution - die Überwindung der Figur des Schuldners. Pilgert nach Darmstadt! Pilgert zum Tempel

Im Herzen von Darmstadt – was öffentliche Verschuldung betrifft, das Griechenland unter Deutschlands Kommunen – errichtet Regisseur Michael v. zur Mühlen einen Tempel,…

TAG IV, TAG VDie Dionysier und Dionysierinnen konnten die Schönheit des Schenkens erfahren. Schon über die Hälfte der Di...
09/06/2015

TAG IV, TAG V
Die Dionysier und Dionysierinnen konnten die Schönheit des Schenkens erfahren. Schon über die Hälfte der Dionysien ist rum!
Kommt zum Tempel um mit uns den restlichen Weg zu einer Befreiung von den Schulden zu gehen!
Heute:
VII. Ehre und Entwürdigung - 19:30 Uhr

09/06/2015

hr-online, Hessischer Rundfunk, Frankfurt am Main. Informationen zu Fernseh- und Radioprogrammen, Service und Hessen-News.

TAG IIIwar Tag der Klage und der Huldigung der Utopie.Heute erwartet euch Dionysier und Dionysierinnen:VII. Ehre & Entwü...
08/06/2015

TAG III
war Tag der Klage und der Huldigung der Utopie.
Heute erwartet euch Dionysier und Dionysierinnen:
VII. Ehre & Entwürdigung - 19:30 Uhr

TAG IIDie Zornbank wurde eröffnet, unser aller Geld als Falschgeld entlarvt und das wahre Geld wurde eingeführt.Kommt au...
06/06/2015

TAG II
Die Zornbank wurde eröffnet, unser aller Geld als Falschgeld entlarvt und das wahre Geld wurde eingeführt.
Kommt auch heute in den Tempel, werdet Dionysier und Dionysierinnen!
IV. Gewalt und Wiedergutmachung - 19:30 Uhr
V. Kurze Abhandlung über die moralischen Grundlagen ökonomischer Beziehungen - 22:00 Uhr

DIE DIONYSIEN SIND ERÖFFNET!Pilgert nach Darmstadt! Pilgert zum Tempel!Heute:II. Der Mythos vom Tauschhandel - 19:30 Uhr...
05/06/2015

DIE DIONYSIEN SIND ERÖFFNET!
Pilgert nach Darmstadt! Pilgert zum Tempel!
Heute:
II. Der Mythos vom Tauschhandel - 19:30 Uhr
III. Ursprüngliche Schulden - 22:00 Uhr

Adresse

Im Carree
Darmstadt
64283

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