18/03/2024
Ach, die verpassten Chancen machen mich traurig.
Jeder von Unwillen, Verachtung oder gar Hass gespeiste Post in dem zum Universum gewordenen Facebook (und anderswo) ist eine verpasste Chance, eine verpasste Chance zusammenzufinden, gemeinsam dieser lebensfeindlichen Zivilisation ein Ende zu bereiten; eine verpasste Chance, der geschundenen Natur nicht nur eine Pforte, sondern ein Tor zu öffnen und sie willkommen zu heißen.
Bei meiner Costa-Rica-Reise besuchten wir mit dem dort lebenden Exildeutschen Günther Monto Alto. Er hatte das Naturschutzgebiet mitgegründet und erzählte uns seine Entstehungsgeschichte:
Ursprünglich waren große Teile der Pazifikküste Mittelamerikas von artenreichen, tropischen Trockenwäldern bedeckt. Aber zwischen den 1930er und 1980er Jahren wurden diese fast vollständig abgeholzt. Das führte zu einem Verlust des natürlichen Artenreichtums und in der jährlichen Trockenzeit zu einem drastischen Wassermangel, denn die Flüsse trockneten aus.
Natürlich ging das langsam vor sich, so dass die Bevölkerung mit immer weniger Wasser auskommen musste, was allen „irgendwie“ normal erschien. „Irgendwann“ würde es schon wieder besser werden. Trockenzeiten, so das gängige Erklärungsmuster, hat es ja schon immer gegeben. So kam schließlich die Zeit, als im Gebiet von Monte Alto endgültig die Quellen versiegten und die Regierung die Dörfer mit Trinkwasser versorgen musste, das mit Lastern herbeigeschafft wurde.
Schließlich dämmerte es den betroffenen Gemeinden, dass es nicht „irgendwann“ wieder gut würde. Die abgeholzten, kahlen Bergkuppen ringsum belehrten sie eines Besseren. Also setzten sie sich 1992 zusammen und beschlossen, Forstwissenschaftler und Ökologen einzuberufen, um dem Übel an die Wurzel zu gehen. Ein Neubewaldungsplan für 924 Hektar Land entstand und begann 1994 mit Regierungshilfe und Unterstützung der Menschen vor Ort umgesetzt zu werden. Die Chancen standen gut, denn noch waren die geschundenen Böden regenerationsfähig.
Und siehe da: Schon nach sechs Jahren begannen die Quellen wieder zu fließen, und heute wogen auf 60 Prozent der Fläche bereits tropische Baumkronen. Nur die älteren Einheimischen und Forstexperten wissen, dass die Wälder dort oben auf den Bergen Sekundärwälder sind, so üppig und satt wirken sie. Und so viel Wasser produzieren sie auch in der Trockenzeit, dass man unten im Tal damit inzwischen Schwimmbecken füllt.
Die Menschen von Monte Alto haben ihre Chance wahrgenommen. Vielleicht lernen wir von ihnen.