20/05/2026
Zehn Jahre trug er das Trikot des SK Sturm Graz, viele davon auch die Kapitänsschleife. Unvergessen ist sein Siegestor im Cupfinale 2018 gegen die in diesen Jahren übermächtigen Bullen aus Salzburg in der 22. Minute der Verlängerung – eine pure Willensleistung. Es sollten zwei weitere Cup-Siege und zwei Meistertitel folgen.
Als Geste der Wertschätzung und auf Wunsch der Fans wechselte nun Trainer Fabio Ingolitsch den Kärntner in der 84. Minute ein. Das Heimspiel gegen Rapid stand 0:0 und der LASK führte im Parallelspiel in Wien zu dem Zeitpunkt mit 3:0 – der neuerliche Gewinn der Meisterschaft war also außer Reichweite. Es ging nicht mehr um viel. Doch „Hierli“ begnügte sich nicht damit, nur dabei zu sein, sondern war lieber mittendrin. Bereits sein erster Ballkontakt – ein Kopfball – landete beinahe im Tor. Gleich darauf schoss Gizo Mamageishvili das Führungstor. Das Spiel war gewonnen. In der 91. Minute gab es einen Freistoß für Sturm knapp außerhalb des Strafraums. Der Kapitän legte sich den Ball zurecht und zirkelte ihn unhaltbar ins Kreuzeck. Der Rest war Emotion pur.
Aber nicht nur als Fußballer, Kämpferherz und Führungsspieler hat Hierländer sich großen Respekt erworben, auch seine menschlichen Qualitäten – vor allem seine Bescheidenheit – werden von vielen geschätzt. Trainer Ingolitsch attestierte ihm: „Wenn man solch eine Karriere hatte, könnte man meinen, dass er ein großes Ego besitzt. Bei ihm ist es andersherum. Er nimmt sich selbst nicht so wichtig.“ Und ergänzte: „Man sieht nicht immer alle Dinge, die eine Wirkung haben.“
Das gilt nicht nur für den vielbeschworenen Sturm-Geist, den Stefan Hierländer jahrelang vorbildhaft verkörpert hat, sondern auch für den Heiligen Geist, dessen Ausgießung wir nun zu Pfingsten feiern. Über ihn sagt Jesus: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh 3,8) Wie den Wind sehen wir den Heiligen Geist nicht, aber wir können seine Wirkung wahrnehmen. Er ist der Lebensatem der ganzen Schöpfung. Er zeigt sich ganz intuitiv in unserem Handeln. Wenn wir uns auf ihn einlassen und ihn zum Kapitän unseres Lebens machen, dann können – wie Hierländers letzter Freistoß – wundersame Dinge geschehen.
Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark
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