17/05/2019
Die Landeskirche Hannover geht den richtigen Schritt.
oder
Ein Plädoyer für die Kirchen! Ja... auch für die katholische!
Wir sprechen mit vielen Paaren auf Messen, die sich für die kirchliche Trauung entscheiden. Und das ist toll. Wir präferieren immer diesen Schritt und unterhalten uns auch mit Paaren, die daran gar nicht denken, ob es für sie eine Möglichkeit darstellt, in der Kirche zu heiraten. Natürlich profitieren wir davon, dass diesen Weg immer weniger gehen, dennoch: die Kirchen verlieren so viele Menschen, dass wir uns über jeden freuen, der zurück zu ihr findet. Denn die Kirche ... und damit meine ich nicht die Institution, sondern die Gemeinschaft der Glaubenden, die Menschen also, hat so viel zu geben.
Leider ist es so, dass die kirchliche Hochzeit eher aus Tradition und "weil es halt so ist" und wegen der feierlichen Stimmung in der Kirche (und damit ist jetzt das Gebäude gemeint) gewählt wird. Schade. Sehr schade.
Interessant ist, dass bei allen Paaren (auch bei gleichgeschlechtlichen), die sich für uns entscheiden, der Glaube an - oder sagen wir das Vertrauen auf - Gott eine wichtige Rolle spielt.
Gut, es mag daran liegen, dass wir auch nur Menschen trauen und ansprechen, für die der Glaube, das Vertrauen, das Gehaltensein im Leben durch das Göttliche, wichtig ist.
Es ist häufig so, dass eine neue Art zu Glauben durchs Leben trägt. Aber eben nicht (mehr) die Institution. Davon wenden sich fast alle unsere Paare ab.
Sicher, viele sagen, beten kann ich auch zuhause und überall. Und "glauben" hängt nicht davon ab, ob ich in einer Kirche bin. Das stimmt. Aber ganz ehrlich: Wer macht das schon für sich alleine zuhause. Die Gemeinschaft ist das, was uns ausmacht. Wir sind soziale Wesen. Auch in unserem Glauben. Die Freude, gemeinsam zu feiern, zu beten, zu singen wird leider vielen schon von Kinderbeinen an vergällt.
Dennoch bringen wir christliche Elemente in unsere Trauungen ein. Das ist sogar gewünscht von unseren Paaren. Wir machen das auch, allerdings ohne Vater unser, Ave Maria, Bibel, Buße, Sühne, Sünde, sondern mit Blick auf die Liebe, auf erfülltes Leben, auf glückliches Leben. Wir sind sicher, das ist es, was Jesus vorhatte mit uns. Nicht nur vor 2000 Jahren, sondern auch heute.
Und jetzt unser Aufruf:
Leute, lasst Euch von der Kirche nicht von Eurem Glauben, von Eurem Vertrauen abbringen.
Kirche kann nur von innen reformiert werden, nicht von außen (siehe Maria 2.0) und wir müssen da zusammen halten.
Austreten und schimpfen nützt gar nichts.
Die Landeskirche Hannover ist durch die Diskussionen im Inneren und nicht durch den vermeintlichen Druck von Außen diesen Schritt gegangen.
Wer mich kennt, weiß, Paulus ist nicht gerade mein Freund, aber um mit ihm zu sprechen:
Verliert nicht den Mut! (Apg 27, 22).
Wer wissen will, warum wir - trotz unseres (evangelischen und katholischen) Glaubens, trotz unseres Vertrauens auf Gott und trotz der Bibel - besondere Zeremonien mit Brautpaaren entwickeln, warum wir Menschen am Anfang Ihres Lebens und auch am Ende und auch nach dem Tod im Vertrauen auf Gott begleiten können, dann schreibt uns oder ruft an.
Und für die Paare, die kurzfristig sich in diesem Jahr noch trauen, sich zu trauen: wir haben keine freien Termine mehr in diesem Jahr ... Schade. Aber auch unserer Jahr hat nur 52 Wochenenden ...
Landessynode stimmt der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare mit großer Mehrheit zu
Auf ihrer Abendsitzung hat die Landessynode mit einer Enthaltung die Handreichung zur Trauung gleichgeschlechtlicher Ehepaare beschlossen. Landessuperintendent Hans-Christian Brandy hatte zuvor die Handreichung vorgestellt und dabei deutlich gemacht: "Es gibt keine theologisch zwingenden Gründe, eine prinzipielle Differenz zwischen der Ehe und Trauung von Menschen verschiedenen und gleichen Geschlechts festzuhalten. Das gilt in theologischer wie dann in liturgischer Hinsicht."
In unserem Video spricht Hans-Christian Brandy über die Handreichung und Ellen Radtke, Pastorin und selbst mit einer Frau verheiratet, erzählt, was die Trauung für sie persönlich bedeutet.