25/05/2025
„Vom Urieb – a G’schicht aus’m Flachgau“
Ich kann mich noch gut erinnern, wie’s bei uns dahoam war, wenn Brot gebacken worden is. Bei uns im Flachgau hat man das nicht einfach so nebenbei gemacht – des war a richtiger Tag dafür. A Backtag, wie’s bei uns ghoass’n hot.
Mei Oma, die Maria, hat scho in der Früh g’sagt:
„Heit kimmt da Surchta aus’m Kostn– der muass wieda aufwåchn.“
Der „Urieb „das war unser eigener Sauerteig, der immer in der kühlen Speis g’standen is. In einem alten Schmalztopf, mit a bissl Mehl drauf, damit er ned austrocknet. Sie hat ihn manchmal auch „Urtrieb“ g’nannt, oder einfach nur „da alte Teig“ – weil er vom letzten Backen aufghoben wor’n is. Und wenn man’s genau nimmt, war des a wengerl wie a Familienmitglied.
„Den muass ma g’winnen lassen,“ hat’s g’sagt. „Der braucht a bisserl Zeit und a ruhigs Platzerl.“
Dann is angesetzt word’n: Roggenmehl, warmes Wasser, und da Urieb dazu. Die Schüssel hat a saubers Gschirrtuch kriagt – und dann is der Teig g’standen. Manchmal is a bissl übergangen, und d’Maria hot g’lacht:
„Schau, der tua’t leb’n!“
Wenn i so nachdenk, war der Sauertoag mehr als nur a Triebmittel. Der war a Verbindung – zua Oma, zua Mama, zua de, de vor uns do g’backen ham. Und wann ma guat aufpasst hat, hat da Teig a bisserl erzählt:
Ob’s Wetter umschlagt. Ob da Ofen zu kalt is. Ob ma ungeduldig is.
Und des fertige Brot – dunkel, resch, kräftig – hot ned nur nach Mehl g’schmeckt, sondern a wengerl nach Zeit, nach G’fühl und nach Daham.
I hob heut nu an eigenen Surchta. Ned mehr der gleiche wie von der Maria, aber a direkter Nachfåhr, sozusagen.
Und i pass auf auf ihn – wia auf an alten Freund.
Diese Geschichte erzählte mir Anna bei einem Brotback-Workshop, es rührte mich zu Tränen. Für euch hab ich versucht es so wiederzugeben, wie die damals, kleine Anna es beobachtet und gefühlt hat. Wenn wer von euch auch eine Schilderung hat, würde ich sie gerne haben. Herzliche Grüße Kathi www.bleibamboden.at